Kunst, Wahrnehmung

Farbige Entgrenzung in den Zonen des unbefestigten Seins

Liebe Frau Blog,

vor gut einem Jahr erreichte mich ein Anruf, der mich sehr traurig stimmte. Léonore Verheyen war verstorben. Das erzählte mir ihr Mann. Ich mochte und schätzte die Tochter des belgischen Malers Jef Verheyen. Anfang des Jahres 2010 lernte ich sie kennen, als ich die Ausstellung „Jef Verheyen and Friends“ in der Langen Foundation in Neuss vorbereitete. Léonore war selbst Kunsthistorikerin und bemühte sich, den Nachlass ihres Vaters gewissenhaft zu verwalten und Forschern die Möglichkeit zu bieten, das Archiv Verheyen zu nutzen. Die Arbeit in ihrem Archiv und an der die Ausstellung begleitenden Publikation war bereichernd. Die Auseinandersetzung mit den Werken, die ich erstmals in der Sammlung von Axel Vervoordt sehen konnte, war es mindestens ebenso.

Erinnern Sie sich? Vor sechs Jahren, im April 2010, legte der isländische Vulkan Eyjafjallajökull den nord- und mitteleuropäischen Flugverkehr lahm. Was für ein Anblick! Der Himmel ohne Streifen! Als 1970 Geborener konnte ich mich nicht daran erinnern, dass es mal keine Linien am Firmament gab. Wie das mit Jef Verheyen zusammenhängt? Ganz einfach, als der Himmel frei hatte, begriff ich seine Bilder.

Himmel ohne Streifen

Himmel über Kassel am 18. April 2010 / Foto: Dirk Pörschmann

Verheyens Malerei habe ich danach in einer etwas außergewöhnlichen Form beschrieben: als virtuellen Dialog zwischen ihm, Paul Cézanne und Maurice Merleau-Ponty, nachzulesen in meinem Essay „Farbige Entgrenzung in den Zonen des unbefestigten Seins“ im die Ausstellung begleitenden Buch „Jef Verheyen. Le Peintre Flamant„. „flamant“ leitet sich übrigens aus dem provençalischen „flamenc“ ab (in span., portug. „flamenco“; Wasservogel, meist mit rosa Gefieder; Flamme; Entzündbarkeit: siehe auch, brennen, Feuer. {deutsche Übers. nach „Le dictionnaire de la langue Française: Le Robert“}) Verheyen bezeichnete sich selbst als „peintre flamant“, was natürlich mit seiner flämischen Herkunft spielt („flamand“: franz. für „flämisch“).

Soviel für heute, demnächst mehr dazu.

Ich wünschen Ihnen, liebe Frau Blog, wie immer allzeit frischen Code!

Ihr Dirk Pörschmann

 

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